Gerstenkorn niemals selbst ausdrücken

Hannover | 04.09.2018

Entzündung am Auge nicht in Eigenregie behandeln

Geschwollene Augen am Morgen, dieses Phänomen kennen viele – vor allem, wenn die Nacht kurz war. Kommt der Körper und damit die Zirkulation wieder in Schwung, werden in der Regel auch die Lider wieder schlank. Wenn die Schwellung jedoch anhält, das Auge brennt, juckt oder gerötet ist oder ein schmerzhaft-entzündetes Gerstenkorn am Lidrand auftritt, sollten Betroffene hellhörig werden. Die Apothekerkammer Niedersachsen warnt davor, selbst Hand anzulegen und das Gerstenkorn auszudrücken oder aufzustechen. Bei allen Beschwerden rund um das Auge, die über ein kurzfristiges Symptom hinausgehen oder stark schmerzen, sollten sich Betroffene möglichst rasch beim Augenarzt vorstellen. Peinliche Hygiene ist jetzt oberste Pflicht, damit es nicht zur Reinfektion kommt oder Keime an Dritte übertragen werden.

Entzündung: Schlüssel zur Heilung

Grundsätzlich ist eine Entzündung immer eine immunologische Antwort des Körpers auf eine Schädigung und damit als Selbstheilungsprozess zu verstehen. Trotz komplexer Schutzmechanismen durch Augenbrauen, Lid und Lidschlag bis hin zur ausgeklügelten Tränenflüssigkeit kann die Abwehr bei übermäßiger Strapaze der Augen schnell überlastet sein. Viele Augenentzündungen entstehen jedoch durch Infektionen mit Bakterien oder Viren, aber auch Fremdkörper im vorderen Augenbereich oder Umweltreize wie Rauch, grelles Sonnenlicht oder Zugluft können Auslöser sein.

Gerstenkorn: harmlos, aber unangenehm

Das Hordeolum, besser als Gerstenkorn bekannt, ist eine punktuelle, akut-eitrige Entzündung der Liddrüsen. Es kann an der Innenseite des Augenlids auftreten, aber auch an dessen Kante. Das Auge schmerzt, es tritt eine Schwellung am inneren oder äußeren Lid auf. Ursache ist meist eine bakterielle Infektion mit Staphylokokken oder Streptokokken. In den häufigsten Fällen heilt eine leichte Entzündung von alleine ab, der Prozess kann durch Bestrahlungen mit einer Rotlichtlampe oder eine antiseptische Salbe mit dem Wirkstoff Bibrocathol beschleunigt werden. Dennoch sollten Patienten zur Abklärung einen Augenarzt aufsuchen. Denn: Hinter den Symptomen können sich auch andere Augenerkrankungen verbergen.

Häufige Anwendungsfehler

Ist die Diagnose Gerstenkorn gestellt, wird der Augenarzt in schwereren Fällen antibiotische Tropfen, Salbe oder Tabletten verschreiben. Die Apotheke vor Ort berät zur richtigen Anwendung der Medikamente und zu begleitenden Maßnahmen. So darf die Spitze der Augentropfenflasche das Auge nicht berühren, damit Keime nicht verschleppt werden. Angebrochene Flaschen sollten übrigens nicht als Reserve aufbewahrt, sondern mit Ende der Therapie entsorgt werden. Mögliche Verkrustungen oder Verklebungen des Auges werden durch feucht-warme, mit steriler isotoner Kochsalzlösung getränkte Kompressen gelöst. Sie werden für fünf Minuten auf das geschlossene Auge gelegt. Mit sauberen Fingern oder Wattestäbchen das betroffene Lid in Richtung Lidkante kräftig massieren, das heißt das Oberlid von oben nach unten und das Unterlid von unten nach oben. Durch eine Entleerung der Drüsenführungsgänge an der Lidkante wird der Sekretstau beseitigt. Danach die Lider mit antiseptisch wirkenden Pflegeprodukten und speziellen fusselfreien Reinigungspads reinigen.

Händewaschen ist jetzt oberste Pflicht, damit die Keime nicht über gemeinsam genutzte Handtücher oder einen Handschlag an Dritte weitergegeben werden. Kontaktlinsenträger sollten während der Therapie auf die Brille umsteigen und die Linsen, bevor sie wieder getragen werden, gründlich mit einem passenden Pflegemittel reinigen. Angeblich wirksame Methoden wie Kamillenkompressen, Ausdrücken oder Aufstechen sind unbedingt zu vermeiden, denn dadurch kann die Infektion verschlimmert und die Heilung verzögert werden.

Der Apothekerkammer Niedersachsen gehören rund 7.000 Mitglieder an. Der Apotheker ist ein fachlich unabhängiger Heilberufler. Der Gesetzgeber hat den selbstständigen Apothekern die sichere und flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln übertragen. Der Beruf erfordert ein vierjähriges Pharmaziestudium an einer Universität und ein praktisches Jahr. Dabei erwirbt der Studierende Kenntnisse in pharmazeutischer Chemie und Biologie, Technologie, Pharmakologie, Toxikologie und Klinische Pharmazie. Nach dem Staatsexamen erhält er eine Approbation. Nur mit dieser staatlichen Zulassung kann er eine öffentliche Apotheke führen. Als Spezialist für Gesundheit und Prävention berät der Apotheker seriös und unabhängig. Er begleitet den Patienten fachlich, unterstützt ihn menschlich und hilft ihm so, seine Therapie im Alltag umzusetzen.

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