Mörderinnen – Fälle aus der Praxis eines Strafverteidigers

02.07.2018

Warum Frauen morden

Frauen, die getötet haben, hat der Strafverteidiger Veikko Bartel schon in einigen Mordprozessen verteidigt. Die Strafverfahren sind für ihn ein Abbild der Welt, in der wir leben. Immer hat er versucht, so viel wie möglich über die Hintergründe der Taten zu erfahren. Oft ließen ihn seine Erinnerungen und die tiefen Einblicke, die er in das Leben der Frauen gewonnen hat, nicht los. Woher kommt das „Böse“ in uns? Vier aufsehenerregende Fälle beschreibt Bartel nun in „Mörderinnen“: die Kindsmörderin, die Gattenmörderin, die Sadistin und die Giftmörderin. Die ergreifenden Geschichten lassen den Leser in die ganz unterschiedlichen Biografien der von der Öffentlichkeit als Monstren wahrgenommenen Angeklagten eintauchen.

Der Leser erlebt Abscheu und Fassungslosigkeit auf der einen Seite, kämpft bisweilen gleichzeitig gegen Anteilnahme, Mitgefühl oder Verständnis gar für das Schicksal der Täterinnen an. Veikko Bartel zeigt, dass die „Bösen“ nicht als die auf die Welt kamen, zu denen sie wurden. Er geht der Frage nach, wie es dazu kam, dass sie zu Mörderinnen wurden.

Ängste und Alkoholmissbrauch

Elvira P.s Leben und das ihrer Familie ist geprägt von tiefster Armut - ein typisches Wendeschicksal im tiefsten Osten. Sie wird schwanger und verheimlicht bis zur Geburt die Schwangerschaft erfolgreich vor ihrer Umgebung. Das Kind bringt sie nachts heimlich und ohne Hilfe im Badezimmer zur Welt und tötet es, während ihr Ehemann und die gemeinsamen Kinder nur eine Wand entfernt schlafen. Das tote Kind kocht sie 2 Tage lang und schüttet die Überreste in die Toilette. In der Öffentlichkeit als Kindsmörderin und Monster betitelt, schweigt sie beharrlich zur Herkunft des Kindes, verzichtet auf jede Art von Verteidigung. Das „Warum“ ist erschütternd und beschämend zugleich. Ganz anders ist der Fall der promovierten Gattenmörderin Hertha F., die in einem wahren Blutrausch ihren Ehemann, mit dem sie über 50 Jahren verheiratet ist, tötet. Nicht, weil sie eine seelisch oder körperlich geschundene Ehefrau war, sondern weil beide die Frage „Was bleibt vom Leben?“ nicht zu beantworten vermochten.

Brutale SM-Spiele und Giftmord

Die Sadistin Gina S. lässt den Leser fassungslos zurück angesichts der Grausamkeit, mit der sie ihre Opfer in SM-Spielen quält. Im Umgang mit ihrem Freund tritt sie dominant und kaltblütig auf, spielt aber auch die Rolle der hilflosen jungen Frau mit engelsgleicher Mimik perfekt und becirct damit ihre Opfer. Sie weckt die Beschützerinstinkte der ermittelnden Kriminalbeamten, die ihr die abscheulichen Taten niemals zutrauen würden. Auch der Fall der Giftmörderin Natascha G. als Meisterin der Manipulation ließ dem Strafverteidiger keine Ruhe. Um mehr über ihre Kindheit zu erfahren, fährt er in das ukrainische Dorf, in dem sie aufgewachsen ist und macht dort die Bekanntschaft ihrer alten Lehrerin.

Bartel erhebt keinen Anspruch auf Objektivität. Er lotet Untiefen aus und stellt die Frage, wie weit jeder selbst entfernt ist von der Grenze, die die Mörderinnen bereits überschritten haben. „Mörderinnen“ gewährt überdies einen Einblick in unser Rechtssystem, das der Komplexität der Fälle bei weitem nicht immer gerecht wird.

Kurzvita

Veikko Bartel wurde 1966 in Karl-Marx-Stadt geboren und wuchs im Erzgebirge auf. Er studierte nach der Wiedervereinigung Jura und arbeitete von 1996 bis 2011 als Rechtsanwalt in Potsdam und ab 1998 als Strafverteidiger. Heute ist Veikko Bartel Dozent für Steuerrecht. Neben dem Schreiben ist Musik seine Leidenschaft, beinahe wäre er einmal für Island im Eurovision Song Contest angetreten. Er lebt mit seiner Familie in Potsdam.

 

Bibliografische Angaben:

Veikko Bartel

Mörderinnen

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag

ca. 220 Seiten

ORIGINALAUSGABE

ISBN: 978-3-442-39336-7

€ 18,00 [D] inkl. MwSt. € 18,50 [A] | CHF 25,50* (* empf. VK-Preis) Mosaik Verlag

ET: 20.08.2018

Das Buch erscheint parallel als E-Book zum Erscheinungstermin

 

Vor dem Erscheinungstermin sind auf Anfrage Druckfahnen erhältlich.

Textumfang: ca. 3954 Zeichen (inkl. Leerzeichen)