Wenn Heilung nicht mehr möglich ist

06.12.2018

Palliative Versorgung verbessert Lebensqualität

Leiden Menschen an einer unheilbaren Erkrankung, konzentriert sich die pharmazeutische Betreuung ganz auf die Symptomlinderung. Ein fließender Übergang zwischen heilenden und schmerzlindernden Therapieansätzen und eine individuell angepasste pharmazeutische Versorgung helfen dem Patienten, den letzten Lebensabschnitt möglichst schmerzfrei und selbstbestimmt zu Hause zu gestalten. In dieser sensiblen Phase übernimmt der Apotheker als Mitglied des therapeutischen Teams und in professioneller Mitverantwortung das Medikationsmanagement, versorgt den Patienten mit lindernden und krampflösenden Arzneimitteln, kümmert sich um Hilfsmittel, Verbandstoffe und Pflegehilfsmittel und stellt den richtigen Umgang mit der Medikation sicher, erklärt die Apothekerkammer Niedersachsen. Durch den engen heilberuflichen Austausch zwischen palliativpharmazeutisch geschulten Apothekern, behandelnden Ärzten, Pflegediensten, Psychologen und Physiotherapeuten wird der Patient bestmöglich auf seinem Weg begleitet.

Verbleibende Lebenszeit mit möglichst hoher Qualität

Palliativpharmazie, mit diesem Begriff ist untrennbar die Arzneimittelversorgung eines Patienten im letzten Lebensabschnitt verbunden. Das vom Lateinischen „pallium“ (Mantel) abgeleitete palliativ umfasst alle pharmazeutischen Aspekte der Versorgung und Begleitung von Palliativpatienten. Wer schwerkrank und ohne Aussicht auf Heilung ist, möchte meist in den eigenen vier Wänden gepflegt werden. In dieser ambulanten Versorgung kommt dem Apotheker eine ganz wichtige Rolle zu. Durch die Wahl der passenden Medikamente werden Beschwerden gelindert und Krämpfe gelöst. Auch Ängste, unter denen der Patient leidet, können teilweise medikamentös eingedämmt werden. Bei Nebenwirkungen wie zum Beispiel Verstopfung oder Übelkeit kennt der Apotheker zumeist geeignete Präparate, damit diese gelindert werden. Bei der Wundversorgung, der Befeuchtung der Schleimhäute und der Hautpflege kann der Apotheker den Patienten, das Pflegepersonal und die Angehörigen mit seinem Fachwissen fundiert unterstützen. Außerdem prüft er, inwiefern pflegende Angehörige in die Verabreichung von Medikamenten involviert werden können und welche Pflegehilfsmittel benötigt werden.

Verantwortungsvoll handeln

Die palliativpharmazeutische Versorgung des Patienten durch den Apotheker, die in engem Austausch mit den Palliativpflegenden und dem Palliativmediziner erfolgt, ist eine sehr komplexe Aufgabe, die sich nicht auf die Abgabe von Arzneimitteln beschränkt. Die Medikation des Palliativpatienten ist kein starres Gebilde, denn der Zustand des Patienten ist fragil und kann sich ständig ändern. Nimmt das Körpergewicht beispielsweise ab, müssen häufig auch die Dosierung bestimmter Medikamente angepasst und möglicherweise andere Präparate abgesetzt werden. Der Apotheker kontrolliert daher mögliche Wechsel- und unerwünschte Nebenwirkungen der verabreichten Arzneien und passt den Medikationsplan an. Damit es nicht zu Über- beziehungsweise Unterdosierungen kommt, kann der Wechsel von verschiedenen Medikamenten in der Schmerztherapie sowie durch verschiedene Darreichungsformen optimiert werden. Apotheker nutzen ihre pharmazeutische Kompetenz auch, um verschiedene Arzneimittelkombinationen auf die Eignung zur Sondengabe oder Infusion zu prüfen. Damit wird vermieden, dass sich Portsysteme oder Sonden zusetzen und einen Krankenhausaufenthalt nach sich ziehen.

Palliativ-Care-Konzept

Patienten mit einem aufwändigen Versorgungsbedarf können sowohl zu Hause als auch ergänzend in stationären Einrichtungen – etwa im Pflegeheim – begleitet werden. Sie haben einen gesetzlichen Anspruch auf eine spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV), die über den Haus- oder Facharzt verordnet werden kann. Doch nicht nur pharmazeutische, medizinische und pflegerischer Probleme werden durch diese Versorgung bewältigt. Die Schwerstkranken werden in der psychisch sehr belastenden Situation bestmöglich aufgefangen. In dem SAPV-Team, auch Palliative-Care Team genannt, engagieren sich spezialisierte Fachleute wie Apotheker. Sie haben sich durch eine Zertifikatsfortbildung auf diesen Versorgungsbereich spezialisiert und sind eng mit Palliativmedizinern, ambulanten Hospizdiensten, Seelsorgern sowie auch teilweise Krankenhäusern und stationären Hospizen vernetzt. Im multiprofessionellen Netzwerk können Informationen zum Patienten und seinen Bedürfnissen zum Beispiel zwischen Ärzten und Apothekern rasch ausgetauscht werden.

Mit Weitblick handeln

Eine vorausschauend geplante Arzneimittelauswahl ist für den Apotheker essenziell, um mögliche Krisen abzufedern. Verschlechtert sich der Zustand des Palliativpatienten zum Beispiel am Wochenende oder an Feiertagen, kann die Bevorratung mit bestimmten Arzneimitteln sogar unnötige Krankenhauseinweisungen verhindern. Hält der Apotheker bestimmte palliative Arzneimittel vor, gibt das den Palliativmedizinern und Pflegediensten vor Ort Sicherheit, dass notwendige Medikamente auch kurzfristig verfügbar sind. Die pharmazeutische Beurteilung zur Off-Label-Use-Medikation in der Palliativversorgung vervollständigt das Palliativ-Care-Konzept.

Niedrigschwelliges Beratungsangebot

Der Apotheker ist als stationärer Anlaufpunkt für alle Beteiligten im Palliativ-Care-Team ansprechbar. So unterstützt er diese, persönliche und zeitliche Hemmschwellen vor der Kommunikation mit Ärzten abzubauen. Die Apotheke kann vermitteln und Fragestellungen weiterleiten. Häufig ist auch die Logistik der Arzneimittelversorgung für alle Beteiligten ein Problem: Hier hilft der Apotheker den Angehörigen und Pflegediensten, das korrekt ausgestellte Rezept zu bestellen, zu erhalten und zu beliefern. Gleichzeitig ist eine Rückmeldung bei dem ausstellenden Arzt über eventuelle Therapieunklarheiten möglich. Wichtig ist jedoch, dass diese Quellen für alle Beteiligten im Palliativ-Netzwerk absolut verlässlich genutzt werden können und oberste Priorität bei den Partnern haben. Patienten und Angehörige können durch das niedrigschwellige Angebot der Apotheke vor Ort Auskünfte und Hilfestellungen erhalten.

Der Apothekerkammer Niedersachsen gehören rund 7.000 Mitglieder an. Der Apotheker ist ein fachlich unabhängiger Heilberufler. Der Gesetzgeber hat den selbstständigen Apothekern die sichere und flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln übertragen. Der Beruf erfordert ein vierjähriges Pharmaziestudium an einer Universität und ein praktisches Jahr. Dabei erwirbt der Studierende Kenntnisse in pharmazeutischer Chemie und Biologie, Technologie, Pharmakologie, Toxikologie und Klinische Pharmazie. Nach dem Staatsexamen erhält er eine Approbation. Nur mit dieser staatlichen Zulassung kann er eine öffentliche Apotheke führen. Als Spezialist für Gesundheit und Prävention berät der Apotheker seriös und unabhängig. Er begleitet den Patienten fachlich, unterstützt ihn menschlich und hilft ihm so, seine Therapie im Alltag umzusetzen.

Wie sich die Medikamentenwirkung im Alter verändert und die Therapie mit Hilfe der Priscus-Liste verbessert werden kann, können Sie >> hier nachlesen.

Pressekontakt der Apothekerkammer Niedersachsen:
AzetPR
Andrea Zaszczynski
Wrangelstraße 111, 20253 Hamburg
Telefon 040 / 41 32 700, info@azetpr.com

Apothekerkammer Niedersachsen
Anja Hugenberg
An der Markuskirche 4
30163 Hannover
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