Apothekerkammer Niedersachsen für kooperative Vernetzung zu E-Health

Zweite Digitalkonferenz: Welche Chancen bieten E-Rezept und Apps?

Dr. Peter Froese, Vorsitzender der Apothekerverbands Schleswig-Holstein, Claudia Schröder, Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, Schriftstellerin Thea Dorn, Präsidentin der Apothekerkammer Niedersachsen, Cathrin Burs, Vorstandsmitglied der Psychotherapeutenkammer Niedersachsen, Götz Schwope, und Dr. Urs-Vito Albrecht, Stellvertretender Leiter am Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik, Medizinische Hochschule Hannover (v.l.n.r.)

Cathrin Burs und Roman Rudyk

Keynote-Speakerin Thea Dorn im Gespräch mit Vorstandsmitglied Dr. Gabriele Röscheisen-Pfeifer (v.l.n.r.)

Das Gesundheitssystem befindet sich im digitalen Umbruch: Heilberufler wie Patienten sehen sich beispielsweise mit dem E-Rezept, Gesundheits-Apps oder der Telematikinfrastruktur (TI) richtungsweisenden Veränderungen gegenüber. Auf der zweiten Digitalkonferenz knüpfte die Apothekerkammer Niedersachsen am vergangenen Freitag an die Auftaktveranstaltung des Vorjahres an und brachte namhafte Experten zusammen. Sie diskutierten die Herausforderungen und Chancen digitaler Innovationen vor Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Krankenkassen, Heilberufen, pharmazeutischer Industrie sowie Wissenschaft und Forschung.

Cathrin Burs, Präsidentin der Apothekerkammer Niedersachsen, und Roman Rudyk, Präsident des diesjährigen Kooperationspartners der Psychotherapeutenkammer Niedersachsen, eröffneten die Konferenz mit „Fokus auf dem Patienten“. „Topaktueller könnte unser Tag heute – vor dem Hintergrund der jüngsten Gesetzgebungsverfahren – nicht sein. Wir möchten mit dieser Veranstaltung Impulse setzen. Impulse, darüber nachzudenken, was Digitalisierung im Gesundheitswesen bedeutet, die Chancen und Risiken der Digitalisierung aufzeigen und Sie anregen, zu netzwerken und sich auszutauschen“, begrüßte Burs die Anwesenden. Und Rudyk ergänzte: „Man sollte weder zu stark davor zurückschrecken, noch sagen, dass es das ist, was alles ändern wird. Ich glaube, der klare Verstand und das Nachdenken helfen bei dem Thema sehr.“

Digitalisierung und Autonomie der Patienten

Die Frage, inwieweit sich Patienten auf digitale Anwendungen verlassen können, werfen gerade das Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) und die darin beschlossenen Apps auf Rezept auf. Von unterschiedlichen Blickwinkeln geprägt, hob die zweite Digitalkonferenz hervor, wie wichtig die kooperative Vernetzung im Gesundheitsbereich auf Landes- und Bundesebene ist – für alle Akteure und speziell für den Patienten. Claudia Schröder, Abteilungsleiterin Gesundheit und Prävention des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, zeigte sich in ihrem einleitenden Grußwort gespannt auf die richtungsweisenden Denkansätze: „Die Themen, die mit dem digitalen Wandel einhergehen, sind komplex. Auch die Schnittstellen sind unendlich. Vor allem junge Apotheker müssen ermutigt werden, auch zukünftig eine Apotheke zu führen in dem Wissen, dass die Digitalisierung eines von vielen Instrumenten ist, die den Betrieb in der Apotheke unterstützen und sichern werden.“ Mit Blick auf die Stichworte Autonomie und Selbstoptimierung stellte die Schriftstellerin und Philosophin Thea Dorn in ihrer Keynote fest, dass der digitale Bereich im Gesundheitswesen enorm ist und rasant sowie kontinuierlich wächst. Sie warf die Frage auf: „Was bedeutet es, wenn wir eine medizinische Biografie haben, die nicht vergessen werden kann?“

Gesundheits-Apps als niedrigschwelliges Zusatzangebot

Über die Verordnung von Gesundheits-Apps referierte PD Dr. Urs-Vito Albrecht vom Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik am Standort der Medizinischen Hochschule Hannover. Als Leiter der Forschungsgruppe PLRI MedAppLab, die sich mit den ethisch-rechtlichen Rahmenbedingungen des medizinischen Einsatzes von digitalen Gesundheitsprogrammen auseinandersetzt, beantwortete er die Frage, was hinter den jüngst viel diskutierten Apps auf Rezept steckt. „Mit dem DVG können nun digitale Gesundheitstechnologien erstattet werden, basierend auf einer geprüften Liste des Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)”, erklärte er. Damit qualitative Gesundheits-Apps ein zusätzliches, niedrigschwelliges Angebot darstellen können, sind die Heilberufler gefragt. Albrecht appellierte: „Bringen Sie sich ein. Nutzen Sie etwa mit Ihren Delegierten die Möglichkeit, dem BfArM mitzuteilen, welche Qualitätskriterien gefordert werden. Über die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften etwa konnten so neun übergeordnete Qualitätsprinzipien angebracht werden. Wir alle haben unmittelbar mit dem DVG zu tun.“

Chancen der Digitalisierung nutzen

Christian Klose, Unterabteilungsleiter „gematik, Telematikinfrastruktur, e-Health“ im Bundesministerium für Gesundheit, referierte über die Chancen digitaler Neuerungen. Für Klose, der sich selbst als Lotse und Treiber der Digitalisierung versteht, sollten immer die Patienten und deren Bedürfnisse im Vordergrund stehen. Er bekräftigte: „Wir dürfen keinen Wettbewerb der besten Telematikinfrastruktur haben, sondern der besten Versorgung. Wir müssen dafür Sorge tragen, uns bestmöglich um das Wohl der Patienten kümmern zu können.“

E-Rezept: Für sichere Versorgung und sichere Daten

Das E-Rezept ist aktuell ein höchst brisantes Thema. Zuletzt gab eine Krankenkasse bekannt, bei den elektronischen Verordnungen mit einem speziellen Apotheken-Dienstleister zu kooperieren. Dr. Peter Froese, Mitglied der ABDA-Arbeitsgruppe IT-Strategie, lenkte die Aufmerksamkeit in seiner Ansprache zum E-Rezept auf sichere Medikamentenversorgung und sichere Daten. Er stellte heraus, dass der Patient mit einer Lösung präsentiert werden müsse, die den maximalen Schutz seiner Daten und seiner Integrität biete. Froese sagte: „Wir werden das elektronische Rezept auf der Ebene der gematik definieren und die Spezifikationen festlegen. Der Deutsche Apothekerverband und die Kassenärztliche Bundesvereinigung treffen die entsprechenden Regularien. Als Arbeitsgruppe haben wir sieben Monate Zeit, um über die Rahmenbedingungen zu entscheiden.“

Burs: „Dialog über E-Health auf Augenhöhe“

Götz Schwope, Mitglied des Vorstands der Psychotherapeutenkammer Niedersachsen, schloss gemeinsam mit Cathrin Burs den formellen Teil der Veranstaltung rund um den digitalen Wandel. Burs resümierte: „Es freut mich, dass auch in diesem Jahr wieder unterschiedliche Akteure mit ähnlichen Wertevorstellungen und Zielen für die Gesundheitsversorgung unserer Einladung gefolgt sind. Wir müssen beim Thema Digitalisierung einen Dialog auf Augenhöhe führen.“ Zum Ausklang der zweiten Digitalkonferenz fanden sich die Referenten und Konferenzteilnehmer bei einem Stehimbiss zusammen und tauschten weitere Sichtweisen zu digitalen Veränderungen rund um den Patienten aus.

Der Apothekerkammer Niedersachsen gehören rund 7.800 Mitglieder an. Der Apotheker ist ein fachlich unabhängiger Heilberufler. Der Gesetzgeber hat den selbstständigen Apothekern die sichere und flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln übertragen. Der Beruf erfordert ein vierjähriges Pharmaziestudium an einer Universität und ein praktisches Jahr. Dabei erwirbt der Studierende Kenntnisse in pharmazeutischer Chemie und Biologie, Technologie, Pharmakologie, Toxikologie und Klinische Pharmazie. Nach dem Staatsexamen erhält er eine Approbation. Nur mit dieser staatlichen Zulassung kann er eine öffentliche Apotheke führen. Als Spezialist für Gesundheit und Prävention berät der Apotheker seriös und unabhängig. Er begleitet den Patienten fachlich, unterstützt ihn menschlich und hilft ihm so, seine Therapie im Alltag umzusetzen.

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