Europa-Abgeordneter zu Besuch in Hannoveraner Apotheke

Intensives Gespräch mit MdEP Bernd Lange

Lieferengpässe wichtiger Arzneimittel sind seit geraumer Zeit immer wieder Thema in der Öffentlichkeit. Darum ging es auch bei einem Besuch in der Leibniz-Apotheke in Hannover, bei dem sich der Europa-Abgeordnete Bernd Lange (SPD) und die Apothekerin Magdalene Linz intensiv austauschten. Neben Lieferschwierigkeiten stand vorrangig die Überwachungsproblematik bei niederländischen Versandapotheken im Mittelpunkt des Gesprächs. In allen Belangen wurde die gesellschaftlich relevante Rolle der Apotheke vor Ort deutlich.

MdEP Bernd Lange und Apothekerin Magdalene Linz tauschten sich intensiv zu berufspolitischen Themen aus.

Die Themen Lieferengpässe und Befreiung der Rx-Preisbindung auf europäischer Ebene standen im Fokus des Besuchs in der Leibniz-Apotheke in Hannover.

Magdalene Linz informierte Bernd Lange über den allgemeinen Apothekenbetrieb und erläuterte die unterschiedlichen Sortimente.

Lieferengpässe: Konzept zur dauerhaften Abhilfe benötigt

Lieferengpässe sind längst kein nationales Problem mehr, sondern ein europäisches. Darin waren sich Apothekerin Linz und MdEP Lange einig. In diesem Zusammenhang sprach Linz, die neben ihrer Tätigkeit in der Apotheke auch Wahlkreisbotschafterin für Hannover ist, die kontinuierlich zunehmende Problematik der Nicht-Lieferbarkeit wichtiger Arzneimittel an. In einigen Bereichen, beispielsweise bei neurologischen Präparaten, nimmt dies immer gravierendere Züge an. „Die massive Zunahme von Liefer- und Versorgungsengpässen bei wichtigen Arzneimitteln bereitet mir große Sorge. Im Sinne der betroffenen Patienten muss schnellstmöglich von allen Beteiligten ein umfassendes Konzept zur dauerhaften Abhilfe erstellt und umgesetzt werden,“ betonte Linz.

Auslagerung ins Ausland und Preisdruck Gründe für Lieferengpässe

Als Grund für die Lieferschwierigkeiten, die laut Linz bei manchen Medikamenten auch bereits zu Versorgungsschwierigkeiten führen, nannte die Apothekerin beispielsweise, dass immer weniger Substanzen in Europa produziert werden. Mittlerweile finden Herstellungsprozesse überwiegend in Asien statt. Zudem werden bestimmte Wirkstoffgruppen nur noch von wenigen Herstellern produziert. Daneben beanstandete Linz den massiven Preisdruck auf die Pharmaindustrie durch Rabattverträge der Krankenkassen als weitere Ursache. Lange stimmte der Notwenigkeit zu, Maßnahmen auf EU-Ebene einzuleiten. Nur so kann eine stabile und sichere Versorgung der Bevölkerung erreicht werden.

Lange kritisch gegenüber EuGH-Urteil zu Rx-Medikamenten

Darüber hinaus setzten sich der sozialdemokratische Politiker und die Apothekerin mit einem weiteren europaweit relevanten Thema auseinander, dem EuGH-Urteil zur Nicht-Anwendbarkeit der Preisbindung bei verschreibungspflichtigen Medikamenten (Rx-Arzneimitteln) für ausländische Versandapotheken und dessen Folgen. Eine davon ist der Nachteil deutscher Apotheken gegenüber der Konkurrenz im europäischen Ausland, denn hierzulande unterliegen Apotheken der Rx-Preisbindung (Arzneimittelpreisverordnung). Lange machte deutlich, dass er um diese Schieflage weiß und dass er kein Verständnis für eine solche Art der Wettbewerbsverzerrung aufbringen kann.

Linz: „‚Grensapotheken‘ agieren im rechtsfreien Raum“

Zusätzlich erläuterte Linz die doppelbödige Situation niederländischer Versandapotheken, die Medikamente ausschließlich nach Deutschland liefern, sogenannte „Grensapotheken“. Linz kritisierte vehement, dass diese Institutionen etwa deutsche Arzneimittel nach Deutschland schicken, ohne hiesige Vorschriften beachten zu müssen. Gleichzeitig können sie von niederländischen Vorschriften befreit sein, sofern eine Behördenerklärung des Empfängerlandes vorliegt. Linz missbilligte dies: „Diese Versandhändler agieren im rechtsfreien Raum, denn sie sind keine Apotheken nach niederländischem Recht – dies wurde von den niederländischen Behörden eingeräumt. Noch weniger sind sie Apotheken nach deutschem Recht.“ Hiervon erschien Lange überrascht. Er pflichtete Linz bei, die Thematik zeitnah auf europäischer Ebene aufzugreifen. Er bestätigte, sich dafür einzusetzen, das Problem im Sinne der deutschen Vor-Ort-Apotheken zu lösen, was speziell im Interesse der Patienten liegt.

Apotheke vor Ort: Unverzichtbare Anlaufstelle und vorteilhafter Arbeitgeber

Auch abseits der berufspolitischen Punkte zeigte sich Lange sehr interessiert am gesamten Apothekenbetrieb. Während des Besuchs erläuterten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Leibniz-Apotheke die verschiedenen Sortimente, von der Sichtwahl bis zum verschreibungspflichtigen Bereich, und demonstrierten das Versorgungskonzept für bestimmte Patientengruppen. Außerdem nahmen sie ins Visier, wie Rezepturen umfangreich hergestellt und Ausgangsstoffe geprüft werden. Lange war beeindruckt von der technischen Ausrüstung und zeigte sich besonders am Kommissionierautomaten interessiert.

Lange ist überzeugter Unterstützer der Apotheke vor Ort und Befürworter des Fremdbesitzverbotes. Für ihn sind die Vorzüge einer inhabergeführten Apotheke gänzlich nachvollziehbar. Linz demonstrierte voller Überzeugung, welche besonderen Rahmenbedingungen sich bei den Arbeitsplätzen der Apotheke vor Ort für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ergeben, beispielsweise in Bezug auf familiengerechte Teilzeitarbeit. Sie führte aus, dass ihre Apotheke wie viele andere Apotheken vor Ort regelmäßig ausbildet, in den vergangenen Jahren mehrere Langzeitarbeitslose integriert sowie in zunehmendem Maße Arbeitsplätze geschaffen hat. Daneben hob Linz die Apotheke als wichtigen Integrationslotsen hervor. Sie fügte hinzu, stolz zu sein, diverse Mitarbeitende unterschiedlicher Nationalitäten zu beschäftigen sowie verschiedene Apothekerinnen und Apotheker aus Nicht-EU-Staaten zu erfolgreichen Gleichwertigkeitsprüfungen geführt zu haben.

Der Apothekerkammer Niedersachsen gehören rund 7.800 Mitglieder an. Der Apotheker ist ein fachlich unabhängiger Heilberufler. Der Gesetzgeber hat den selbstständigen Apothekern die sichere und flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln übertragen. Der Beruf erfordert ein vierjähriges Pharmaziestudium an einer Universität und ein praktisches Jahr. Dabei erwirbt der Studierende Kenntnisse in pharmazeutischer Chemie und Biologie, Technologie, Pharmakologie, Toxikologie und Klinische Pharmazie. Nach dem Staatsexamen erhält er eine Approbation. Nur mit dieser staatlichen Zulassung kann er eine öffentliche Apotheke führen. Als Spezialist für Gesundheit und Prävention berät der Apotheker seriös und unabhängig. Er begleitet den Patienten fachlich, unterstützt ihn menschlich und hilft ihm so, seine Therapie im Alltag umzusetzen.

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