Sicheres Arbeiten von zu Hause aus

Wann Arbeitgeber das Homeoffice erlauben müssen

Schleswig-Holsteinische Rechtsanwaltskammer. Angesichts der Corona-Krise arbeiten so viele Arbeitnehmer wie nie zuvor im Homeoffice. Die aktuell geltende Corona-Arbeitsschutzverordnung verpflichtet Arbeitgeber, sofern möglich die Arbeit von zu Hause aus anzubieten. Arbeitnehmer sind aufgrund des Infektionsschutzgesetzes im Regelfall gehalten, dieses Angebot anzunehmen. Generell gelten auch im Homeoffice wichtige Vorgaben, beispielsweise zum Datenschutz. Verletzt eine der beiden Seiten leichtfertig ihre Plichten, sind Konflikte vorprogrammiert. Mittelfristig soll ein Mobile-Arbeit-Gesetz zu regelmäßigen Tätigkeiten im Homeoffice folgen.

Müssen Arbeitgeber das Homeoffice anbieten?

Grundsätzlich ist zwischen den aktuellen Regelungen der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung, kurz Corona-Arbeitsschutzverordnung, sowie einer Homeoffice-Tätigkeit vor, während und nach der Corona-Pandemie zu unterscheiden. Eine allgemeine, von Corona unabhängige Verpflichtung zum Homeoffice-Angebot gibt es nicht. Im Zuge der Corona-Arbeitsschutzverordnung sind Arbeitgeber allerdings bis zum 30. Juni verpflichtet, ihren Angestellten die Arbeit von ihrer eigenen Wohnung aus anzubieten, sofern es sich um Büro- oder vergleichbare Tätigkeiten handelt. Dies umfasst vor allem Aufgaben, die beispielsweise mit dem Computer erledigt werden können. Aufgrund einer Neuregelung des Infektionsschutzgesetzes im März müssen Arbeitnehmer dieses Angebot zur Arbeit im Homeoffice annehmen, wenn ihrerseits keine Gründe dagegensprechen. Es empfiehlt sich, entweder zwischen den Parteien direkt oder zwischen dem Arbeitgeber und dem Betriebsrat, sofern vorhanden, eine Homeoffice-Vereinbarung abzuschließen. Die Arbeit im Homeoffice ist eine vollwertige Arbeitsleistung, eine Lohnminderung bei gleichbleibender Stundenzahl somit nicht erlaubt.

Was spricht gegen die Arbeit im Homeoffice?

Im Gegensatz zu Bürotätigkeiten ist die Arbeit von zu Hause aus in vielen Bereichen wie im stationären Handel oder der Logistik nicht möglich. Dies gilt ebenso, wenn wichtige Aufgaben wie die Bearbeitung oder Verteilung eingehender Briefpost nicht erfüllt werden können. Fehlt hingegen seitens des Arbeitgebers notwendige IT-Ausstattung oder sind Arbeitnehmer nur unzureichend qualifiziert, spricht dies nur vorübergehend gegen das Homeoffice, solange bis die Probleme behoben sind. Verweigert der Arbeitgeber jedoch generell für geeignete Tätigkeiten das Homeoffice, muss er dem Arbeitnehmer die Gründe mündlich oder schriftlich darlegen. Zudem überwachen die zuständigen Arbeitsschutzbehörden die Umsetzung der Anbietungspflicht durch den Arbeitgeber und können die Übergabe entsprechender betrieblicher Unterlagen verlangen. Arbeitgeber sollten daher sowohl ihr Angebot als auch die Annahme oder Ablehnung der Tätigkeit im Homeoffice durch den Arbeitnehmer schriftlich festhalten, das heißt dokumentieren. Ebenso sollten zwingende betriebliche Gründe, die gegen das Homeoffice sprechen, dokumentiert werden.

Welche Regelungen gelten im Homeoffice

Auch im Homeoffice gelten immer das Arbeitsschutzgesetz und das Arbeitszeitgesetz. Es spielt also keine Rolle, ob der Arbeitnehmer aufgrund der aktuellen Corona-Regelungen oder generell von zu Hause aus arbeitet. Beispielsweise müssen Angestellte nur während der vertraglich festgelegten Arbeitszeiten erreichbar sein, sofern kein Notfall vorliegt. Die vorgeschriebenen Arbeitspausen sind einzuhalten und alle Zeiten zu dokumentieren. Darüber hinaus fällt auch die Arbeit im Homeoffice in den Bereich der gesetzlichen Unfallversicherung. Der Arbeitgeber ist für die Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmer verantwortlich, zum Beispiel durch eine Unterweisung gemäß Arbeitsschutzgesetz oder ergonomische Arbeitsplatzgestaltung. Allerdings muss der Arbeitgeber nicht alle benötigten Arbeitsmittel stellen, sondern sollte vielmehr die erforderliche Ausstattung mit dem Arbeitnehmer zusammen vereinbaren. Verwenden Angestellte eigene Arbeitsmittel, wie es die aktuellen Regelungen erlauben, ist zur Einhaltung des Datenschutzes besondere Vorsicht geboten.

Einhaltung des Datenschutzes

Die Vorgaben der EU-Datenschutzgrundverordnung gelten auch im Homeoffice. Arbeitgeber müssen genau regeln, welche elektronischen oder Papier-Unterlagen außerhalb des Unternehmens transportiert und bearbeitet werden dürfen. Ebenso müssen Schutzvorkehrungen festgelegt werden, sodass auch innerhalb der eigenen Wohnung kein Unbefugter die Informationen einsehen kann. Hierzu kann beispielsweise ein abschließbarer Schreibtisch gehören. Bei Videokonferenzen sollte grundsätzlich die Zimmertür geschlossen sein. Greifen Arbeitnehmer über das Internet auf interne Unterlagen zu, muss der Arbeitgeber einen sicheren, verschlüsselten Kanal wie ein sogenanntes VPN (Virtual Private Network) einrichten. Entsorgen Mitarbeiter Dokumente oder defekte Datenträger, ist sicherzustellen, dass keine vertraulichen Informationen enthalten sind. Im Zweifelsfall müssen die Gegenstände zur Entsorgung ins Unternehmen zurückgebracht werden.

Kann die Homeoffice-Arbeit aufgehoben werden?

Im Regelfall können sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer die Tätigkeit im Homeoffice jederzeit einseitig beenden. Dieses Recht kann jedoch eingeschränkt werden, beispielsweise durch die eingangs dargestellten aktuellen Regelungen zum Corona-Arbeitsschutz. Daher sollte die Homeoffice-Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer oder Betriebsrat regeln, dass die Arbeit von zu Hause Im Falle zwingender Gründe beendet werden kann. Da die Corona-Arbeitsschutzverordnung dem Gesundheitsschutz dient, sollten Arbeitgeber den Betriebsrat generell bei allen Umsetzungsmaßnahmen beteiligen.

Im Zweifelsfall sollten Sie sich von einer Rechtsanwältin oder einem Rechtsanwalt beraten lassen. Anwältinnen und Anwälte nennt auf Anfrage in der Zeit von 9 bis 12 Uhr die Schleswig-Holsteinische Rechtsanwaltskammer unter der Telefonnummer 04621/9391-11 oder der Anwaltssuchdienst im Internet unter https://www.rak-sh.de/.

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